Wie ich die (halbwegs) beste Gynäkologin fand
Nach vielen schmerzhaften Erfahrungen fand ich endlich eine empathische Gynäkologin, die meinen Vaginismus ernst nahm. Mit Verständnis, Geduld und Vertrauen wurde der Arztbesuch erstmals erträglich.
Nach meinem Fiasko an Gynäkologie-Erfahrung stand fest: Bei einem Arzt, der mich so behandelt, konnte ich nicht bleiben. Heute tut mir der Gynäkologe leid. Er meinte seine Standpauke sicherlich nur gut und hätte er gewusst, wie es mir ging, hätte er vermutlich nicht so reagiert. Aber ich nehme ihm schon noch etwas übel, dass er meine Situation so gar nicht erkannt hat. Da windet sich deine Patientin auf dem Stuhl und du denkst dir, das muss so?
Egal, ich hab mir eine neue Gynäkologin gesucht und das ging so: Langsam waren Online-Bewertungen immer häufiger anzutreffen, also setze ich darauf und auf die Erfahrung von Freundinnen. Ich hörte mich um, in welche Praxis die gingen und rief dort an. Leider ein „Tiefschlag“ für mich: Die Praxis nahm keinen Patientinnen mehr auf. Aber die Online-Bewertungen führten mich dafür zu einer anderen, neueren Praxis, bei der die Ärztin als empathisch beschrieben wurde. Ich hatte mir generell vorgenommen, nachdem mein Besuch bei einem Arzt so schlimm für mich war, es nun mit einer Ärztin zu versuchen. Die hätte da vielleicht mehr Mitgefühl oder Verständnis… Schließlich hat sie schon mal die gleichen Organe.
Hier wurde ich als Neupatientin angenommen und so begann meine jahrelange Beziehung zu Iris, wie ich meine Gynäkologin natürlich nur in Gedanken nenne. Ich hatte auch vor diesem Termin wieder unfassbare Angst. Es half auch nicht, dass meine Mutter mich bis ins Wartezimmer begleitete. Fazit: Es war zwar nicht angenehm, aber Iris nahm mich ernst und auf meine Beschreibung, ich hätte da Probleme und fände die Untersuchungen schmerzhaft, reagiert sie empathisch. Sie untersuchte mich auch, aber immer mit der Frage, ob dieses oder jenes okay sei oder nicht. Ich brauche zwar noch mehrere Besuche und Jahre, bis ich wirklich Vertrauen zu ihr fassen konnte und nicht jedes Mal wieder von Angst überwältigt wurde, wenn der Termin im Kalender stand, aber die negativen Gefühle wurden immer weniger und irgendwann waren sie weg.
Und Iris spielte auf meiner Vaginismus-Reise auch noch eine wichtige Rolle… Aber mir ist auch wichtig zu sagen: Bei meinem Praxiswechsel hatte ich auch einfach viel Glück, auf eine empathischere Person zu treffen, die am Ende (kleiner Vorausblick) sogar meinen Vaginismus diagnostizierte und ernstnahm. Mir tut es deshalb umso mehr leid, wenn ich von Frauen höre, die erstmal eine Ärztin finden müssen, die überhaupt über die Krankheit Bescheid weiß. Es soll sogar Gynäkologen geben, die Vaginismus kennen, aber ablehnen, dass er wirklich existiert. Wie kommt man auf sowas? Das macht mich immer wieder fassungslos.