Was passiert da eigentlich mit mir?

In diesem Artikel erzähle ich, wie ich gemeinsam mit meinem Partner den Ursachen meines Vaginismus auf den Grund ging, warum „einfach entspannen“ keine Lösung ist.

Was passiert da eigentlich mit mir?
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Oder wie ich meinen Vaginismus kennenlernte...

Wir gingen also auf Ursachensuche. Die ersten Versuche penetrativen Sex zu haben waren ja alles andere als angenehm abgelaufen. Martin hatte erstmal die Vermutung, dass ich mich zu sehr verkrampfen könnte. Ich kannte diese Annahme ja schon von meinen Freundinnen, denen ich von meinen Problemen beim Gynäkologen erzählt hatte. Und dazu konnte ich nur sagen: ich machte da gar nichts aktiv. Das passiert einfach. Ich kann da gar nichts anspannen oder lockerlassen. Und gerade das, hat mich auch einfach sehr überfordert: Wie soll man da vorgehen, wenn man gar nicht versteht, was passiert?

 Das ist für mich wirklich ein wichtiger Punkt für alle, die mit Vaginismus-Betroffenen zu tun haben: Man kann sich nicht entspannen, einfach mal lockerlassen und auf Spontanheilung hoffen. Zumindest klappt das nach meiner Erfahrung nicht. Denn meistens muss man a) erst lernen die Beckenbodenmuskulatur überhaupt anzusteuern, geschweige denn anzuspannen oder zu entspannen und b) hängt der Vaginismus meiner Erfahrung nach auch stark mit dem Unterbewusstsein zusammen. Ich nenne das „die Körperpolizei“. Sie sorgt dafür, dass nichts passiert, was ich nicht möchte. Und da ich unterbewusst Angst vor penetrativem Sex und den vermeintlichen Schmerzen hatte und das Ganze einfach also super unangenehm abgespeichert hatte, reagierte sie, indem Sie penetrativen Sex möglichst verhinderte.

 Es hat einige Wochen, Gespräche und auch Versuche gedauert, aber dann war auch Martin klar: Ich konnte die Verkrampfung nicht aktiv steuern. Er hatte auch schon von Vaginismus gehört und war sich relativ sicher, dass ich betroffen war. Ich weiß nicht mehr, ob wir unabhängig voneinander im Internet recherchierten oder ob er zuerst mit seiner Vermutung auf mich zukam. Damals gab es auf jeden Fall noch sehr wenige Seiten zu dem Thema, aber wir wurden fündig und die Beschreibung deckte sich mit meinen Erfahrungen. Ich glaube, anschließend habe ich Martin auch von meiner Vorgeschichte mit dem Gynäkologen erzählt.

 Noch wichtiger war für mich aber eine Homepage von drei Frauen, die alle samt Vaginismus-Patientinnen waren. Sie hatten eine Seite mit Tipps aufgesetzt, was helfen könnte. Darunter war z.B. Dilatatoren-Training und Yoga-Übungen für den Beckenbogen. In Erinnerung blieb mir dabei: In der Rubrik, in der sich die drei Frauen vorstellten, erzählten Sie, dass sie es dank der Übungen geschafft hatten, beinahe beschwerdefrei zu sein. Bis dahin war mir gar nicht bewusst, dass man Vaginismus wirklich heilen konnte. Schon die Vorstellung, keine Probleme mehr mit Tampons oder dem Frauenarzt zu haben, wäre mir mehr als willkommen gewesen. Aber eine vollständige Heilung? Kaum zu glauben. Aber ja, einige Jahre später kann auch ich sagen: Ich bin geheilt.